Wie Kurorte in Baden-Württemberg auch abseits der Hochsaison unterhalten
Ich war letzten Herbst in Baden-Baden, als die Kastanienbäume am Lichtentaler Allee gelb wurden und die Sommergäste längst abgereist waren. Die Stadt atmete auf, sagte mir eine Kellnerin im Café Lörrach. Doch das heißt nicht, dass hier nichts los ist. Im Gegenteil: Wer glaubt, dass deutsche Kurorte außerhalb der Saison einschlafen, hat die Rechnung ohne das Abendprogramm gemacht. In Baden-Württemberg findet sich auch im November oder März einiges – und manches davon hat mit dem Wandel des Glücksspiels in Deutschland zu tun.
Die Spielbank als Kulturort
Die Spielbank Baden-Baden ist seit 1838 geöffnet. Ich habe dort einen Abend verbracht, nicht um zu spielen, sondern um zu beobachten. Das Gebäude allein, entworfen von Friedrich Weinbrenner, ist eine Sehenswürdigkeit. Doch was mich wirklich interessierte: Wie positioniert sich ein traditionsreicher Kurort, wenn das Glücksspiel zunehmend digitalisiert wird? Die Spielbank muss jetzt Konkurrenz aus dem Netz aushalten, wo die Auszahlung im Casino Beef anders geregelt ist als an den klassischen Tischen. Baden-Württemberg setzt auf ein Staatsmonopol für Online-Roulette und Blackjack. Ob das reicht, um die Baden-Badener Tradition zu sichern, bleibt abzuwarten.
Die Antwort fand sich im Gespräch mit einem Croupier, der seit zwanzig Jahren an den Tischen steht. Er erzählte mir von den Veränderungen seit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021, der auch für die klassische Spielbank neue Rahmenbedingungen schuf. Roulette und Blackjack im digitalen Casino – das ist längst kein Widerspruch mehr. Die Spielbank Baden-Baden bietet mittlerweile Online-Casinospiele an, veranstaltet von der Staatlichen Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg. Das staatliche Glücksspielveranstaltungsmonopol wird so auf die digitale Ebene übertragen.
Was das für Spieler bedeutet
Ich habe mich durch das Angebot geklickt, rein journalistisch versteht sich. Die Plattform wirkt sachlich, fast nüchtern. Kein greller Firlefanz, keine blinkenden Banner. Das ist beabsichtigt. Das Landesglücksspielgesetz BW schreibt strenge Auflagen vor, die sich deutlich von internationalen Anbietern unterscheiden. Die Online-Casinospielsteuer und ihre Bemessungsgrundlage sind transparent ausgewiesen – ein Punkt, den ich bei vielen anderen Anbietern vermisse.
Der Spielerschutz im Monopol staatlicher Anbieter ist hier kein bloßes Marketingargument. Das Spielersperrsystem OASIS, das mit LUGAS verknüpft ist, funktioniert zentral. Wer sich sperren lässt, ist bei allen lizenzierten Anbietern in Deutschland ausgeschlossen. Ich habe das beim Regierungspräsidium Karlsruhe nachgefragt, wo die Kontrollgruppe für Glücksspielangelegenheiten sitzt. Die Mitarbeiter dort erklärten mir, dass die Überwachung der lizenzierten Anbieter deutlich einfacher ist als die Schwarzmarktbekämpfung.
Der Kontrast: Internationale Anbieter
Zurück in meinem Hotelzimmer habe ich recherchiert, was es jenseits des staatlichen Angebots gibt. Die Unterschiede sind frappierend. Casinos ohne deutsche Lizenz, also ohne OASIS-Abfrage, werben mit schnelleren Auszahlungen und größerer Spielauswahl. Anbieter wie Evolution Gaming oder NetEnt beliefern diese Plattformen mit Live-Dealer-Spielen. Das sogenannte Beef Casino ist in manchen Kreisen ein Begriff – ich habe den Namen in Foren gelesen, nie auf einer offiziellen deutschen Seite gesehen.
Die Zahlungsmethoden und Auszahlungsdauer bei Online-Casinos sind ein eigenes Kapitel. Bei staatlichen Anbietern dauert eine Auszahlung oft mehrere Tage, bei internationalen manchmal Stunden. Das liegt an den unterschiedlichen Prüfverfahren. Ob das ein Nachteil ist, hängt vom Blickwinkel ab. Ich persönlich finde: Wer um echtes Geld spielt, kann mit einer Tagesfrist leben, wenn dafür der Jugendschultz und die Glücksspielsucht-Fachstelle wirksamer eingebunden sind.
Suchtprävention vor Ort
In Baden-Baden selbst gibt es die Landesstelle für Suchtfragen BW als Anlaufstelle. Ich habe dort angerufen, nicht als Betroffener, sondern als Journalist. Die Beraterin war zurückhaltend, professionell. Sie verwies auf die Zusammenarbeit mit der Spielbank und dem Innenministerium Baden-Württemberg unter Thomas Strobl. Die Präventionsarbeit finde vor allem in den Räumlichkeiten vor Ort statt, nicht im digitalen Raum. Das ist eine Lücke, die mir auffiel.
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) in Sachsen-Anhalt ist für die Lizenzvergabe zuständig, doch die konkrete Suchthilfe bleibt Ländersache. In Baden-Württemberg scheint man hier auf bewährte Strukturen zu setzen. Ob das für die digitale Generation ausreicht, wage ich zu bezweifeln.
Mein Fazit aus dem Kurort
Baden-Baden hat mich überrascht. Die Stadt lebt vom Kontrast: Weltkulturerbe-Spielbank neben digitalem Angebot, Kurtradition neben modernem Spielerschutz. Wer abends etwas erleben will, findet hier mehr als Thermalwasser und Promenaden. Die Frage ist nur, ob man das staatliche Angebot nutzt oder zu den internationalen Plattformen greift.
Ich bleibe dabei: Das staatliche Modell hat seine Berechtigung, solange der Schutz der Spieler im Mittelpunkt steht. Die technische Umsetzung hapert noch. Die OASIS-Sperre ist ein guter Anfang, doch die Jugend- und Spielersuchtprävention muss digitaler werden. Die Kontrollgruppe beim Regierungspräsidium Karlsruhe kann Anbieter überwachen, aber nicht das individuelle Spielverhalten verhindern.
Für meinen nächsten Besuch in Baden-Württemberg habe ich mir vorgenommen, auch andere Kurorte anzusehen. Bad Wildbad, Badenweiler, vielleicht sogar das kleine Bad Liebenzell. Überall wird man ähnliche Spannungsfelder finden zwischen Tradition und Digitalisierung, zwischen Angebot und Schutz. Das ist das eigentliche Abendprogramm – nicht das Spielen selbst, sondern die Beobachtung dessen, wie sich unsere Gesellschaft mit dem Glücksspiel arrangiert.
ADFC